Ziele formulieren ist gar nicht schwer

In meiner Arbeit werde ich immer wieder gefragt, wie man Ziele formulieren soll. Denn Ziele gehören zu den Dingen, welche das Leben vereinfachen können. Sie geben eine Ausrichtung und verhelfen im «Meer der tausend Möglichkeiten» zu einer Orientierung. Aber die Erfahrung zeigt, dass sich viele Menschen zwar Ziele setzen – persönliche Ziele, Lernziele, Teamziele, Führungsziele, Organisationsziele, Mitarbeiterziele, – sich aber mit der Formulierung schwer tun.

 

Ziele formulieren ist gar nicht schwer

Seit vielen Jahren gehört die folgende Methode der Zielformulierung zu meinem Schulungs-Repertoire. Ich wende sie regelmässig in Kursen, Coachings und Laufbahnberatungen an. Aufgrund zahlreicher Rückmeldungen weiss ich, dass sie erfolgreich und lustvoll angewandt werden kann. Deshalb möchte ich sie hier vorstellen. Sie umfasst vier Schritte.

Übrigens: Dieser Beitrag entstand im Rahmen einer Blogparade von Christian Bossert. Eine Blog-Parade ist eine gemeinschaftliche Blogger-Aktion zu einem bestimmten Thema, das der Paraden-Veranstalter vorgibt. Das Thema der hier behandelten Parade lautet «Ziele und Visionen».

 

Erster Schritt: Um was geht es?

Benenne den Gegenstand oder das Thema des Ziels. Hierzu ist es sinnvoll, die damit verbundene Aufgabe in den Mittelpunkt der Formulierung zu stellen. Dies geschieht mit einem Substantiv (Nomen) und einem Verb (Tätigkeitswort).

Die Formel lautet hier: Substantiv + Verb = Aufgabe

Zum Beispiel:

  • Businessplan erstellen
  • Stelle besetzen
  • Neue Räumlichkeiten finden

 

Zweiter Schritt: Wer macht was?

Benenne das Subjekt, das die Aufgabe erledigen und ausführen muss. Je nach Situation ist man selber das Subjekt oder aber Mitarbeitende, Lernende, Freunde usw.

Formel: Subjekt + Prädikat + Objekt = Kernsatz in der Gegenwart

Zum Beispiel:

  • Ich erstelle einen Businessplan.
  • Die Personalabteilung besetzt die Schlüssel-Stelle.
  • Das Logistik-Team findet neue Räumlichkeiten.

 

Dritter Schritt: Wie kann man den Kernsatz erweitern?

Ergänze den Kernsatz mit Wie-Wörtern (Adjektive). Diese zeigen, wie man es haben möchte. Anschliessend integriere Zeit- und Mengenangaben sowie Bedingungen.

Formel: Kernsatz + Adjektive + Zeit- und Mengenwörter sowie Bedingungen = Präzise Aussage

Zum Beispiel:

  • Ich erstelle bis Ende Juli einen gut verständlichen, aussagekräftigen, fehlerfreien und knackigen Businessplan von maximal 20 Seiten.
  • Die Personalabteilung besetzt die Schlüssel-Stelle bis Ende Jahr mit einer geeigneten Kandidatin gemäss Anforderungsprofil.
  • Das Logistik-Team findet innert des nächsten halben Jahres geeignete, grosszügige, kostengünstige, helle Räumlichkeiten an zentraler Lage und bereitet den Umzug umsichtig vor.

 

Vierter Schritt: Umformulieren, als wenn das Ziel bereits erreicht wäre

Mit diesen drei Schritten steht eigentlich bereits die ganze Zielformulierung. Weil aber auch mentale Kräfte eine Wirkung entfalten, empfiehlt sich jetzt noch eine Umformulierung. Das ist etwa so wie beim sogenannten «inner Tennis» oder «inner Skiing», wo es darum geht, die Erfolgshandlung mental und introspektiv vorweg zu nehmen. Dabei ist es dann auch erlaubt, das Subjekt wieder wegzulassen und der Formulierung den letzten Schliff zu geben.

Zum Beispiel:

  • 20-seitiger Businessplan ist bis Ende Juli gut verständlich, aussagekräftig, fehlerfrei und knackig erstellt.
  • Schlüssel-Stelle ist bis Ende Jahr mit einer geeigneten Kandidatin gemäss Anforderungsprofil besetzt.
  • Geeignete, grosszügige, kostengünstige und helle Räumlichkeiten sind innert des nächsten halben Jahres an zentraler Lage gefunden. Umzug ist umsichtig vorbereitet.

 

Erfahrungen und Hilfsmittel

Das wichtigste Hilfsmittel für diese Formulierungsarbeit ist der Computer. Bei der Behandlung dieses Themas benutze ich deshalb sowohl in Kursen als auch im persönlichen Coaching immer das Notebook. Denn mit dieser Hilfe ist es ein Leichtes, mit der Sprache zu spielen, bisherige Satzteile umzuformulieren und Ergänzungen zu integrieren. In aller Regel haben die Teilnehmer/Innen viele Erfolgserlebnisse und entdecken, wie mühelos Spracharbeit sein kann. Dies führt dann mitunter zu richtigen Motivationsschüben, so dass das Setzen von Zielen sogleich doppelt Spass macht.

Neben dem Notebook erweist sich meine Präsentation «Von der Kunst, Ziele zu formulieren» immer wieder als sehr nützlich. Die Beispiele beziehen sich auf den Kontext von Kinderkrippen und Kinderhorten, die zu meinen Zielgruppen gehören.

 

Führungskurse und Berufsbildungskurse

Das Thema «Ziele setzen und formulieren» gehört zu den zentralen Themen in meinen Führungskursen, so z.B. im Kurs «Basics für die Team- und Gruppenleitung» oder «Führungskurs für Stellvertreter/Innen». Aber auch in der Berufsbildung spielt es eine Rolle, nämlich wenn Berufsbildner/Innen Lern- und Ausbildungsziele für ihre Lernenden formulieren müssen.

 

Weiterführende Informationen

Mehr Informationen zum Thema «Ziele und Visionen» finden sich in den Ergebnissen der Blogparade von Christian Bossert.

 

2018-05-18T16:59:58+00:00Januar 23, 2015|Categories: Alle Beiträge, Berufsbildung|Tags: , , , , , , |

2 Kommentare

  1. aleini 16. April 2017 at 14:30 - Reply

    Vielen Dank für den tollen Artikel, hat mir sehr weitergeholfen 🙂

    Bei meiner weiteren Recherche bin ich auf folgendes gestoßen, was vielleicht andere auch interessieren könnte:

    Eine schöne Übersicht wie man Erziehungsziele formuliert (Leit-, Richt-, Grob- und Feinziele) mit Beispielen:

    https://erzieherspickzettel.de/erziehungsziele/

    • paeda-logics 17. April 2017 at 7:02 - Reply

      Vielen Dank für das Feedback und den guten Tipp!

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