Anspruchsvolles Spannungsfeld

Sorgen und Leiden der Trägerschaften von Kinderkrippen und Kinderhorten sind manchmal gross. Kinderkrippen und Kinderhorte befinden sich in einem Spannungsfeld. Durch gesetzliche Bestimmungen gilt es zahlreiche Richtlinien zu beachten. Die Branche boomt, was zu einer Zunahme von Konkurrenz führt. Dies wiederum zwingt dazu, sich zu positionieren und von anderen Anbietern zu unterscheiden. Die Nachfrage schwankt, so dass grosse finanzielle Risiken zu tragen sind. Aufgrund der oft sehr geringen Geldmittel gehören grundsätzliche Finanzierungsprobleme zum Alltag. Die steigenden Ansprüche der Kundschaft sind mitunter eine Gratwanderung. Der Personalmarkt ist ausgetrocknet und macht den Personalverantwortlichen das Leben schwer. Gutes Personal zu finden ist oft eine Glückssache. Meint man es gefunden zu haben, verlässt es den Betrieb bereits wieder nach kurzer Zeit.

Nachfolgeprobleme und Überforderungen

Als Berater werde ich regelmässig mit solchen Anforderungen von Trägerschaften konfrontiert. Nicht immer bleibt es bei Herausforderungen. Vielmehr sind es immer wieder auch Überforderungen, welche die involvierten Personen belasten. Im vorliegenden Beitrag möchte ich deshalb näher auf deren Sorgen und Leiden eingehen. Denn in der Tat handelt es sich oftmals um Leidensgeschichten, die in der Beratung zur Sprache kommen und Lösungen erfordern.

Nicht überall sind Trägerschaften professionell, sondern ehrenamtlich organisiert. Das gilt z.B. für Schulbehörden, welche Kinderhorte führen, aber auch für Kinderkrippen und Kinderhorte, die von einem Verein getragen werden. Bereits klassisch ist der Fall, in dem sich ein Verein aus denjenigen Eltern zusammensetzt, deren Kinder in der Kinderkrippe betreut werden. Nicht unbedeutend ist auch die Stiftung, die Kinderbetreuung anbietet.

Man liest es immer wieder in den Medien: Nachwuchs für Ehrenämter zu finden wird zunehmend schwierig. Ein Vorstand oder Stiftungsrat benötigt neue Mitglieder, eine Schulbehörde bemüht sich um eine frühzeitige Nachfolge. In vielen Trägerschaften weiss man, dass die Gewinnung von geeigneten Personen, die über genügend Zeit und Fachlichkeit verfügen, immer mühsamer wird. Auch in der Politik kann man ein Lied davon singen, dass heute niemand mehr Zeit für Ehrenämter oder politische Ämter hat.

Angesichts des Pflichtenhefts von Trägerschaften, welche Krippen und Horte führen, kommen Ehrenamtliche regelmässig an ihre Grenzen. Kitas und Horte sind derart lebendige und dynamische Organisationen, dass der Alltag laufend Neuigkeiten und Veränderungen mit sich bringt. Zudem sind die Zuständigen allzu oft Laien, denen Fachwissen fehlt. Abgesehen davon hört man von ihnen immer wieder, dass sie Zeitaufwand und Komplexität ihrer Aufgabe vollkommen unterschätzt hätten. Der Zeitaufwand beträgt schnell einmal einen Tag pro Woche.

Schwieriger Mix aus Anforderungen, Dynamiken und Besonderheiten

Dieser Mix aus Anforderungen, Dynamiken und Besonderheiten erweist sich für Trägerschaften immer wieder als Knackpunkt. Angesichts dessen kann ich nur staunen, mit welch hohem Engagement sich die Zuständigen für Kita und Hort einsetzen. Hut ab vor diesen Leistungen!

Zu den Schwierigkeiten, die ehrenamtlich organisierte Trägerschaften beschäftigen, gehören Überforderungen, personelle Wechsel, Fluktuationen und Nachwuchsprobleme. Eine weitere Schwierigkeit stellt die Vermischung von strategischer und operativer Ebene dar. Statt sich auf die strategische Ebene zu konzentrieren, schalten sich ehrenamtlich Tätige manchmal in den operativen Betrieb ein. Dies führt unweigerlich zu Konflikten zwischen Trägerschaften und Personal. Und manchmal ist es so, dass Laienwissen unangenehm mit dem professionellen Verständnis der Führungs- und Betreuungspersonen kollidiert. Selbstverständlich können alle diese Schwierigkeiten auch in professionell organisierten Trägerschaften auftreten.

Umwandlung Rechtsform oder Suche einer neuen Trägerschaft

In letzter Zeit konnte ich Trägerschaften beraten, deren Leidensdruck besonders gross geworden war. Sie wünschten sich grundsätzliche Lösungen, um aus den Überforderungen heraus zu kommen. In der Regel stellen solche Träger Fragen nach einer anderen Form der Trägerschaft. Entweder sie streben eine Umwandlung der bisherigen Rechtsform oder aber die Übergabe an eine andere professionelle Trägerschaft an. Die Beratung dient dazu, Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen, Vor- und Nachteile abzuwägen und Weichen neu zu stellen. Solche Beratungen sind manchmal sehr komplex, da sie viele Aspekte umfassen. Idealerweise geht einer grundsätzlichen Weichenstellung eine Evaluation der betrieblichen Situation, Stärken und Schwächen voraus. Auf der Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse fällt es leichter, Entscheidungen zu fällen und Übernahmeverhandlungen mit Interessenten zu führen.

Der Weg bis zur endgültigen Übergabe der Trägerschaft ist manchmal lang. Ob Verein, Stiftung oder Schulpflege, immer gibt es bei Auflösungen formale Anforderungen zu erfüllen, etwa indem das Kollegium, die Mitglieder oder die Behörden miteinbezogen werden müssen. Gerade bei Vereinen ist es so, dass die Mehrheit der Mitglieder darüber entscheidet, wie es weitergehen soll. Nicht immer sind sich Mitglieder und Vorstand einig. Insbesondere Elternvereine kranken an diesem Dilemma.

Von der Ausschreibung bis zur Übergabe

Die Umwandlung der Rechtsform oder die Suche nach einer neuen Trägerschaft werfen verschiedene Fragen auf. Bei der Umwandlung sind es vor allem rechtliche, bei der Suche nach einer neuen Trägerschaft vor allem Vorgehensfragen. Meistens ist eine Ausschreibung in den öffentlichen Medien und in Fachkreisen ein sinnvoller Weg. Auch die direkte Ansprache von Trägerschaften kann zielführend sein. Ideal ist die Kombination von beiden Varianten, denn sie generiert die meisten Bewerbungen.

Spätestens in der Phase der Ausschreibung ist ein Berater, der zur Seite steht, eine grosse Hilfe. Je nachdem, wie konkurrenzfähig und markttauglich das Übergabeobjekt ist, bedarf es kleinerer oder grösserer Anstrengungen. Die Risikoprüfung durch die potentiellen Interessenten und die Verhandlungen verlangen Erfahrung und Expertise. Abgesehen davon benötigt der Prozess Geduld, denn von der Ausschreibung bis zur Übergabe kann ein Jahr vergehen.

Die Ausgangslagen von Trägerschaften, die eine Übergabe anstreben, können sehr unterschiedlich sein. Abschliessend drei Beispiele, in denen eine Ausschreibung zu einer guten neuen Lösung führte:

  • Ausgelöst durch Überforderungen und Nachfolgeprobleme entschieden sich Vorstand und Mitglieder eines Elternvereins, die Kinderkrippe in professionelle Hände zu geben.
  • Zu einer Stiftung, die im Altersbereich tätig ist, gehörte auch eine Kinderkrippe. Da sich die Stiftung in Zukunft auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollte, trennte sie sich von der Kinderkrippe.
  • Eine Gemeinde, die eine Krippe und einen Hort führte, erkannte, dass ihr einschlägiges professionelles Wissen fehlte. Sie beschloss deshalb, eine erfahrene private Trägerschaft zu suchen.

Eine der vielen Erkenntnisse in der Begleitung solcher Prozesse lautet: Es findet sich immer ein Weg, um die Situation zu verändern und / oder die Form anzupassen.