Personalmangel und Gründe für die Abwanderung im Sozialbereich: Im Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel im Sozialbereich beauftragte SAVOIRSOCIAL das Eidgenössische Hochschulinstitut für Berufsbildung mit einer dreiteiligen Laufbahnstudie. Unterdessen liegen die Ergebnisse des dritten und letzten Teils der Studie vor. Sie betreffen eine Befragung von Personen, welche den Sozialbereich verlassen haben. Gegenstand der Befragung waren ihre Gründe für die sogenannte Abwanderung sowie ihre Tätigkeit vor und nach dem Branchenwechsel.

Insgesamt wurden 162 Personen befragt. Knapp die Hälfte aller Befragten (44%) war vor der Abwanderung im Bereich der Kinderbetreuung tätig. Je knapp ein Viertel (23%) arbeitete in der Begleitung von Menschen mit Beeinträchtigung respektive der gesetzlichen Sozialhilfe und 10 Prozent in der Betreuung von älteren Menschen. Die Anschlusslösungen nach der Abwanderung liessen sich auf drei Optionen reduzieren: Die Hälfte ging einer Erwerbstätigkeit ausserhalb des Sozialbereichs nach, 20 Prozent verfolgten eine Aus- und Weiterbildung ausserhalb des Sozialbereiches und 30 Prozent waren nicht erwerbstätig.

Sechs Gründe für Abwanderung

Die Ergebnisse der Studie sind interessant. Sie zeigen in absteigender Bedeutung sechs mögliche Gründe für den Ausstieg bzw. den Verbleib im Sozialbereich:

  1. Berufliche Weiterentwicklung
  2. Lohn und Weiterbildungsbedingungen; Anerkennung und Personalausstattung
  3. Handlungsspielraum und Autonomie
  4. Arbeitsklima / Zusammenarbeit
  5. Gesundheitliche Belastungen
  6. Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Insgesamt lässt sich feststellen, dass bei den Befragten besonders die fehlende Anerkennung für ihre Arbeit, die mangelhafte Personalausstattung, der niedrige Lohn und die eingeschränkten Weiterbildungsmöglichkeiten eine Rolle bei ihrer Entscheidung zur Abwanderung spielten. Die Hälfte der Befragten gab an, dass sie ihre Fähigkeiten an der letzten Stelle zu wenig nutzen konnten. Zudem wirkten sich die knappen zeitlichen und personellen Ressourcen in Form von Erschöpfung negativ auf die Gesundheit aus.

Mehrmals Erwähnung fand, dass das während der Ausbildung Gelernte im späteren Berufsalltag nicht angemessen eingesetzt werden konnte. Die Passung der Ausbildung mit dem Berufsalltag wurde als mangelhaft wahrgenommen, weil Ausbildungsinhalte aus Zeitgründen nicht zur Umsetzung gelangten und Routinearbeit den Arbeitsalltag prägte. Da das Tagesgeschäft dominierte, bot es wenig intellektuelle Stimulation. Eine Fachfrau Betreuung formulierte es wie folgt: «Man hat immer dasselbe gemacht».

Bedeutung der Führungspersonen

Die Ergebnisse belegen, dass Führungspersonen die Abwanderung beeinflussen könnten. Dies sowohl im positiven wie auch im negativen Sinn. Leider werden Führungsfunktionen in der Sicht der Befragten häufig von dafür ungeeigneten Personen ausgeübt. Dies zeigt sich z.B. bei der mangelhaften Gestaltung des Arbeitsklimas. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass sie diesbezüglich zu wenig Unterstützung von ihren Vorgesetzten erhielten. Knapp die Hälfte der Befragten wies darauf hin, dass die Stimmung im Arbeitsteam schlecht war. Rund ein Drittel bemängelte die Teamarbeit und etwas mehr als ein Viertel wähnte sich am Arbeitsplatz gemobbt. Viele fühlten sich von Seiten der Vorgesetzten nicht ernst genommen.

Möglichkeiten, um der Abwanderung vorzubeugen

Die Resultate der Befragung zeigen eine breite Palette an Handlungsmöglichkeiten auf, um die Personalsituation im Betreuungsbereich zu optimieren. Sie umfasst Faktoren wie Gestaltungsspielraum, Anerkennung, Führung, Arbeitsklima, Lohn und die Gestaltung der Arbeitszeiten.

Um die Personalressourcen besser auszuschöpfen und die berufliche Überlastung zu reduzieren, schlagen die Autor/Innen eine konsequentere Aufgaben- und Verantwortungszuteilung für die verschiedenen Funktionen und Rollen der Fachleute vor. Zudem wäre zu prüfen, wie die Arbeitsprozesse noch stärker auf betreuerische Aufgaben konzentriert und die Führungspersonen gestärkt werden könnten.

Weiterführende Informationen

Zur Studie

In diesem Blog berichtete ich bereits früher über das Problem des Personalmangels. Siehe hierzu die folgenden Beiträge:

Zürcher Kita-Personalstudie: Brisante Ergebnisse
Personalmangel im Betreuungsbereich: Alles andere als lustig
Schwierige Personalsuche im Sozialwesen
Fachkräftemangel im Sozialbereich