Im Blogbeitrag vom November 2018 «Blick hinter die Kulissen der Krippenaufsicht» berichtete ich bereits über die Arbeit der Krippenaufsicht der Stadt Zürich. Dabei ging es um eine schriftliche Anfrage von zwei Gemeinderätinnen an den Stadtrat, mit der sie Licht in die Arbeitsweise der Krippenaufsicht bringen wollten. Sie formulierten fünfzehn interessante Fragen zur Sicherung der Qualität in Kinderkrippen, die vom Stadtrat ausführlich beantwortet wurden.

Im gleichen Zeitraum (Februar 2018 bis Januar 2019) fand eine ausführliche Evaluation der Arbeit der Krippenaufsicht statt. Die Ergebnisse liegen in Form eines Evaluationsberichts vor. Die Evaluation wurde von INTERFACE, politische Studien, durchgeführt. Zum Vorgehen gehörten eine Dokumentenanalyse, Interviews mit den Mitarbeitenden der Krippenaufsicht und eine Online-Befragung bei allen Krippen und Horten der Stadt Zürich. Die Perspektive der Trägerschaften und Krippenleitungen wurde über zwei Fokusgruppengespräche erhoben. Die Evaluation beinhaltete zudem einen Vergleich der Arbeit der Krippenaufsicht der Stadt Zürich mit den entsprechenden Stellen in Bern, Basel und Luzern sowie dem Amt für Jugend und Berufsberatung (AJB) des Kantons Zürich.

Viele positive Ergebnisse

Insgesamt beurteilen die Kinderkrippen und Kinderhorte die Zusammenarbeit mit der Krippenaufsicht als gut. Die Aufsichtsbesuche und die Kommunikation der Ergebnisse werden mehrheitlich positiv beurteilt. Rund 70 Prozent der Krippen und Horte nehmen die Krippenaufsicht im Bewilligungsprozess nicht nur als Aufsichtsorgan, sondern auch als beratende Instanz wahr.

Die Autor/Innen des Berichts bewerten die internen Prozesse der Krippenaufsicht als transparent und nachvollziehbar. Sie kommen zum Schluss, dass die Krippenaufsicht ihre Aufgaben in hoher Qualität erfüllt. Ein wichtiger Aspekt stellt dabei die hohe personelle Konstanz des Teams und der regelmässige Austausch untereinander dar.

Flexiblere Haltung der Aufsicht erwünscht

Ein Teil der befragten Personen beurteilt die Praxis der Krippenaufsicht teilweise als zu formalistisch. Man wünscht sich bei Bewilligungsentscheiden eine ganzheitlichere, flexiblere und weniger restriktive Haltung. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die folgenden Punkte:

  • Grösse der Gruppen
  • Anforderungen an die Räumlichkeiten
  • Zusammensetzung der Gruppen
  • Einsatz von Mitarbeitenden im 3. Lehrjahr

Verglichen mit den anderen inner- und ausserkantonalen Aufsichtsstellen sehen die Autor/Innen des Evaluationsberichts in der Handhabung dieser Punkte gewisse Spielräume. Vor allem in Anlehnung an die Praxis der Aufsicht im Kanton Zürich erachten sie eine Lockerung der Richtlinien in der Stadt Zürich nicht nur als grundsätzlich möglich, sondern wünschbar.

Die Krippenaufsicht selber nimmt dazu auf der Website des Sozialdepartements wie folgt Stellung (Abruf Website am 3.8.2019): «Beim verständlichen Wunsch nach mehr Flexibilisierung gilt aber auch in Zukunft, dass die Betreuungsqualität nicht auf der Strecke bleiben darf».

Im Spannungsfeld von Kindeswohl und betriebswirtschaftlichen Anliegen

Damit ist das Spannungsfeld abgesteckt, in welchem die Arbeit der Krippenaufsicht angesiedelt ist. Auf der einen Seite gilt es das Wohl des Kindes zu berücksichtigen, das im Mittelpunkt der Aufsichtsarbeit stehen muss. Auf der anderen Seite sind pädagogische, organisatorische und betriebswirtschaftliche Anliegen der Trägerschaften abzuwägen. Dieses Spannungsfeld macht die Arbeit von Krippenaufsichten sehr anspruchsvoll und nicht gerade leicht. Auch angesichts dessen ist es sehr begrüssenswert, dass die Krippenaufsicht der Stadt Zürich den Evaluationsbericht veröffentlicht und damit Einblick in die Beurteilungsbefunde gibt.

Quellen:

Evaluationsbericht
Blogbeitrag «Blick hinter die Kulissen der Krippenaufsicht»