Empfehlungen für Kinderhorte und Co.

Bisher gab es keine allgemeinen Empfehlungen für Kinderhorte und Co., also Morgenhort, Mittagstische, Schülerclubs, Aufgabenbetreuung usw. Dies hat sich seit Frühling 2017 jedoch durch die «Richtlinien für Tagesstrukturen von Kindern im Kindergarten- und Primarschulalter» von KIBESUISSE geändert. Insgesamt sind diese Richtlinien, welche KIBESUISSE als Empfehlungen und Minimalstandards verstanden haben will, sehr erfreulich. Sie richten sich insbesondere an die Anbieter der sogenannten Tagesstrukturen, aber auch an Schul- und Gemeindebehörden sowie an Fachstellen.

KIBESUISSE versteht Tagesstrukturen als Angebot mit einem pädagogischen Auftrag. Ihnen liegt eine soziale und präventive Auffassung zugrunde. Die Betreuungspersonen vermitteln den Kindern Werte, Wissen und Haltungen. Ihre Arbeit ist also auch eine erzieherische und pädagogische.

Schulen sollen vermehrt mit den schulergänzenden Angeboten zusammenarbeiten. Beiden Seiten gebührt die gleiche Wertschätzung. Gemeinsame Ziele und gegenseitige Vereinbarung können die Entwicklung der Zusammenarbeit unterstützen.

Schule und schulergänzende Betreuung ergänzen sich gegenseitig. Sie machen den «Lebensraum Schule» aus, den es miteinander zu gestalten gilt. Beide sind wichtige Lern- und Lebensorte. Sie bieten viele Entwicklungschancen für die Kinder. Deshalb empfiehlt KIBESUISSE ein ganzheitliches Bildungs- und Betreuungskonzept, das auch definierte Qualitätsstandards umfasst.

Pro Kind sieht der Verband fünf Quadratmeter als pädagogisch nutzbare Fläche vor. Für Mittagstische geht er von drei Quadratmetern aus, sofern noch weitere Räume vorhanden sind.

Bei der Festlegung der Grösse der Kindergruppe verzichtet KIBESUISSE auf eine rigide Vorgabe. Vielmehr soll sich die Gruppengrösse am Alter der Kinder, den Räumlichkeiten und dem Ausbildungsstand der Betreuungspersonen orientieren. Das lässt flexible, situative und lokale Regelungen zu.

Für die Betreuung von acht jüngeren Kindern (bis und mit zweite Klasse) empfiehlt der Verband eine ausgebildete Fachperson. Für neun bis fünfzehn Kinder soll eine Lernende oder eine Betreuungsassistenz hinzukommen. Bei einer Gruppe von über sechszehn Kindern wünscht er sich eine zweite ausgebildete Person. Für etwas ältere Kinder (ab der dritten Klasse) sieht der Betreuungsschlüssel etwas lockerer aus.

Wie bereits in den «Richtlinien für die Betreuung von Kindern in Kindertagesstätten» (2016) unterscheidet der Verband zwischen unmittelbarer und mittelbarer Betreuungsarbeit. Siehe hierzu meinen entsprechenden Blogbeitrag «Richtlinien zur Kinderbetreuung». Für die mittelbare pädagogische Arbeit, welche z.B. Sitzungen, Planung, Dokumentation und Reflexion beinhaltet, schlägt er für das pädagogisch ausgebildete Personal einen Zeitzuschlag von 10%, für das Assistenzpersonal von 5 – 10% auf den Stellenetat vor.

Die Empfehlungen von KIBESUISSE kommen gut verständlich, klar gegliedert und sehr übersichtlich daher. Da sie viele sinnvolle Ansätze zur Weiterentwicklung der schulergänzenden Kinderbetreuung in der Schweiz enthalten, ist ihnen ein offenes, breites Publikum und viel Erfolg bei den kantonalen Behörden zu wünschen. Denn letzten Endes sind es ja die Kantone, welche die Betriebsrichtlinien definieren und diesbezüglich das Sagen haben.

Quelle:

Richtlinien für Tagesstrukturen von Kindern im Kindergarten- und Primarschulalter

 

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